„Sechs Meersburger Bürger, allesamt Freunde des Segelsports, entschlossen sich zur Gründung eines Yachtclubs.

Da es jedoch zur Gründung eines Vereins mindestens sieben Mitglieder bedurfte, begaben sie sich kurzerhand ins Hotel Hecht, wo eben dieser siebte Mann gefunden wurde und die Vereinsgründung endgültig beschlossen wurde“.
Man schrieb das Jahr 1949, und nur vier Jahre nach Kriegsende wurde die Idee zur Gründung eines Yachtclubs von vielen belächelt.
70 Jahre später feierten nun die Mitglieder des Yachtclub Meersburg die Gründung ihres Vereins. Rund 120 Mitglieder waren zum Sommerfest auf das Clubgelände gekommen. Der 1. Vorsitzende, Harry Bücher, erzählte in seiner Jubiläums-Ansprache von den Anfängen und Unwägbarkeiten des Clubs, die Clubmitglieder und Gäste verfolgten mit großem Interesse seine Ausführungen. „1950 hingen lediglich 2 Piraten und eine viel bestaunte Hansajolle an Bojen im Bundesbahnhafen“, erläuterte er. Er ging auf die weitere Entwicklung des Vereins ein, den Bau des Hafens und des Clubhauses. Aus den sieben Gründungsmitgliedern war schließlich eine Gemeinschaft entstanden, die heute 384 Mitglieder zählt. Wer hätte das damals gedacht.
Und nun wurde gefeiert. Eine kurzfristig aufziehende Wetterfront mit sintflutartigem Regen und heftigen Windböen konnte die Feierlaune nicht trüben, saß man doch geschützt auf der Clubhausterrasse und im Zelt. Ein reichhaltiges Buffet sorgte für kulinarischen Genuss, und auch das „Eiswägele“, von vielen schon sehnsüchtig erwartet, rollte wieder wie jedes Jahr auf’s Gelände, wo sich sogleich eine lange Schlange großer und kleiner Schleckermäuler bildete. Für die kleinen Festbesucher gab es außerdem eine große bunte Hüpfburg, wo sich jeder nach Lust und Laune austoben konnte.
Die Nacht war irgendwann hereingebrochen, kaum einer hatte es bemerkt. Ganz langsam lichteten sich die Reihen, und diejenigen, die einfach nicht ins Bett wollten, krochen gegen 3 Uhr morgens schlussendlich doch in ihre Kojen. Nun senkte sich Ruhe über den Hafen, wenn auch nur für ein paar Stunden, denn am Sonntag morgen liefen schon früh die Vorbereitungen für den Frühschoppen und die anschließende Clubregatta.

Zum Frühschoppen eingeladen waren auch Vertreter der benachbarten Vereine wie DLRG, Windsurfer, SKM, aber auch der Feuerwehr. Der Bürgermeister ließ sich entschuldigen, gratulierte aber in einem persönlichen Anschreiben.
Bei Weißwurst mit Brezeln und Weißbier hallten die Klänge einer jungen, 11 Mann starken Brass Combo über den Hafen, die für ausgelassene Stimmung sorgte. Beim abschließenden Badner-Lied wurde kräftig mitgesungen und manch einer stand mit der Hand auf dem Herzen und stolz geschwellter Brust unter den Zuhörern, die die jungen Männer schließlich mit tosendem Applaus verabschiedeten.

Nun stand die Clubregatta auf dem Programm. Der Regattaleiter, Nikolaus Roleff, erklärte die Segelanweisungen und gab das Zeichen zum Auslaufen. 16 Schiffe verließen bei nun aufkommendem Regen das Hafenbecken und sammelten sich vor der Startlinie. Es stand ein up-and-down-Kurs an. Die Wendetonne für die Yachten lag vor Immenstaad, die Tonne für die Jollen vor Hagnau. Der Westwind, der den ganzen Morgen schon geweht hatte, flaute ab und der Regen nahm zu. Bis zum Startschuss mit der historischen Kanone, die eigens zur Jubiläumsregatta wieder vom Dachboden geholt worden war, goss es in Strömen. Tausende Regenmännchen hüpften über das Wasser, und schon kurz nach dem Startschuss fiel auch der letzte Hauch von Wind dem Regen zum Opfer. Musste das jetzt sein! Ganz langsam trieben die Schiffe Richtung Osten und verloren sich langsam im tiefen Einheitsgrau. Nun hieß es für die im Hafen Zurückgebliebenen warten. Nach einer Weile fegten dann plötzlich giftige Böen aus West über den Hafen. Die Bäume bogen sich, die Zeltwände flatterten. Wind! Nun wurde es spannend. Es goss nach wie vor in Strömen, aber nun konnte ordentlich gesegelt werden. Windstärke 5-6 wurde gemessen. Die Spannung stieg. Nach etwa einer Stunde tauchte ein weißer Fleck an der Stelle auf, wo der tosende See in den grauen Himmel übergeht. Gespannt sprangen alle von den Stühlen und starrten auf den Horizont. Die erste Jolle? Nein, das kann nicht sein. Doch! Tatsächlich, es war die erste von zwei Jollen, die beide von Jugendlichen gesegelt wurden. Mit Wind und Wellen kämpfend, aber mit großem seglerischen Können kamen beide Jollen kurz nacheinander wohlbehalten ins Ziel. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Eine nach der anderen passierten die Yachten die Ziellinie, bis schließlich alle völlig durchnässt und erschöpft im Hafen zurück waren. Windstärken zwischen 5 und 6 Beaufort bildeten für viele Mannschaften eine echte Herausforderung, denn nur die wenigsten waren wirklich Regatta-erfahren. Auf vielen Schiffen segelten Familien-Crews mit Kindern, bunt zusammengewürfelte Mannschaften waren angetreten, aber das macht ja gerade den Charme einer Clubregatta aus. Und gerade deswegen gilt all diesen Mannschaften Anerkennung und Respekt. In entsprechend gelöster und fröhlicher Stimmung wurde schließlich die Siegerehrung abgehalten. Bei den Jollen - beides 420er - gewannen Jan Bücher und Paul Pierschel, den zweiten Rang belegten Greta Wollmann und Marie Faller. Bei den Yachten ging Rang 1 an die Mannschaft von der Segelkameradschaft Meersburg um Manfred Jacobi mit Niels Jacobi, Hubert Strunk und Heike Streich auf der Ragazza, einer Dehler 33. Tosender Applaus erscholl für unsere Segler-Freunde aus dem benachbarten Hafen.

Ein ereignisreiches Jubiläums-Wochenende neigte sich dem Ende entgegen. Es wurde noch das eine oder andere Entspannungsbier getrunken, bis sich das Clubgelände schließlich leerte. 70 Jahre YCM waren ausgelassen gefeiert worden. Die gute Seele hinter dieser Veranstaltung war wie immer unsere Hilde mit ihrem Mann HP. Vielen herzlichen Dank euch beiden.

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